
Wichtiger Hinweis
Dieser Inhalt dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Konsultieren Sie einen zertifizierten Immobilienexperten oder Schätzungsexperten für verbindliche Bewertungen Ihrer Liegenschaft.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Online-Tools analysieren Dutzende Kriterien in wenigen Minuten
- Die hedonische Methode gilt als Schweizer Standard für Wohnimmobilien
- Unterschiedliche Ergebnisse verschiedener Tools sind normal – die Gründe erfahren Sie hier
- Spezialfälle wie Seesicht oder historische Bausubstanz erfordern eine Vor-Ort-Expertise
Was passiert, wenn Sie Ihre Adresse eingeben?
Es ist hilfreich zu verstehen, was hinter den Kulissen passiert, wenn eine Postleitzahl in ein Bewertungstool eingegeben wird, ohne dabei auf Fachjargon zurückzugreifen.
Der Algorithmus startet sofort mit der Standortanalyse. Innerhalb von Sekunden werden Dutzende Faktoren zu Ihrer Adresse abgerufen: Distanz zum nächsten Bahnhof, Steuerbelastung der Gemeinde, Lärmbelastung durch Hauptstrassen, Schulqualität im Einzugsgebiet. Diese Daten stammen aus öffentlichen Quellen und werden kontinuierlich aktualisiert.

Dann folgt der Abgleich mit der Transaktionsdatenbank. Hier wird es interessant. Gemäss HEV Schweiz zur hedonischen Bewertungsmethode werden die einzelnen Eigenschaften Ihrer Liegenschaft erfasst und mit Tausenden anderen Objekten in einer Datenbank verglichen. Jedes Merkmal – von der Zimmerzahl bis zum Ausbaustandard – beeinflusst den kalkulierten Wert.
Wie Ihre Eingaben den Wert beeinflussen: Manchmal geben Nutzer die Bruttowohnfläche anstelle der Nettowohnfläche an. Diese Verwechslung kann zu erheblichen Abweichungen in der Schätzung führen. Bevor Sie Ihre Daten eingeben, sollten Sie den Katasterauszug oder den Hausratversicherungsvertrag konsultieren, um die richtigen Angaben zu verwenden.
Der dritte Schritt ist die Preisberechnung. Das Tool gewichtet jeden Faktor unterschiedlich. Die Lage macht typischerweise 60 bis 70 Prozent des Wertes aus. Der Zustand und die Ausstattung teilen sich den Rest. Laut Analyse des VZ VermögensZentrum kann ein identisches Haus in Basel an bevorzugter Lage CHF 1,8 Millionen kosten – an weniger gefragter Lage nur CHF 1,3 Millionen. Das sind CHF 500’000 Unterschied. Allein wegen der Adresse.
RealAdvisor: 70 Kriterien in 3 Minuten analysiert
Wie sieht das konkret bei einem etablierten Bewertungstool aus? RealAdvisor kombiniert drei verschiedene Bewertungsmodelle, um eine möglichst realistische Marktwertschätzung zu liefern. Das unterscheidet die Plattform von einfacheren Rechnern, die nur eine Methode verwenden.
70 Kriterien
werden bei jeder Bewertung analysiert
Die Analyse gliedert sich in zwei Bereiche: 20 Kriterien betreffen das Objekt selbst – Wohnfläche, Zimmerzahl, Baujahr, Ausbaustandard, Grundstücksgrösse. Die restlichen 50 Kriterien beziehen sich auf den Standort: Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Distanz zu Schulen und Einkaufsmöglichkeiten, Lärmbelastung, Luftqualität und sogar die Sicherheit des Quartiers.
Woher stammen die Vergleichsdaten? RealAdvisor greift auf den Swiss Real Estate Datapool zu, der echte Transaktionspreise abbildet. Diese Datenbank enthält Informationen zu abgeschlossenen Verkäufen – nicht nur Angebotspreise, die oft über dem tatsächlichen Kaufpreis liegen. Zusätzlich werden aktuelle Inserate und eigene Datenbestände ausgewertet.
Der Ablauf ist simpel: Sie beschreiben Ihre Liegenschaft in wenigen Schritten, der Algorithmus vergleicht mit Tausenden ähnlicher Objekte, und Sie erhalten sofort eine Marktwertschätzung. Ein detaillierter Bericht folgt per E-Mail. RealAdvisor bietet zudem die Möglichkeit, die Online-Schätzung durch eine kostenlose Vor-Ort-Expertise ergänzen zu lassen. Dabei berücksichtigt ein lokaler Experte qualitative Faktoren wie Aussicht, Renovationspotenzial oder Lärmbelastung, die Algorithmen nicht vollständig erfassen können.
Hedonisch, vergleichend, Substanzwert – was steckt dahinter?
Stellen Sie sich vor, Sie wollen den Preis eines Gebrauchtwagens bestimmen. Sie könnten nachschauen, was ähnliche Modelle kosten. Sie könnten berechnen, was das Auto bei Neukauf gekostet hat, minus Abnutzung. Oder Sie könnten analysieren, welche Ausstattungsmerkmale den Preis beeinflussen. Genau so funktionieren die drei Hauptmethoden der Immobilienbewertung.

Die hedonische Methode ist in der Schweiz der Standard für Wohnimmobilien. Sie zerlegt den Preis in seine Einzelteile. Jedes Merkmal – ob Balkon, Garage oder Minergie-Zertifikat – trägt einen messbaren Anteil zum Gesamtwert bei. Das Bundesamt für Statistik nutzt diese Methode für den Schweizer Wohnimmobilienpreisindex, der quartalsweise auf Basis von rund 7’000 Transaktionen berechnet wird.
Einfach erklärt: Die hedonische Methode funktioniert wie ein Rezept. Jede Zutat (Zimmer, Lage, Zustand) hat einen eigenen Preis. Zusammen ergeben sie den Gesamtwert – wie die Zutaten das fertige Gericht.
Das Vergleichswertverfahren schaut, was ähnliche Liegenschaften in der Nachbarschaft kürzlich erzielt haben. Direkt und pragmatisch. Allerdings funktioniert es nur, wenn genügend Vergleichsobjekte existieren – in ländlichen Gebieten oft ein Problem.
Die Substanzwertmethode rechnet anders: Was würde es kosten, das Gebäude heute neu zu bauen, minus Altersentwertung, plus Landwert? Diese Methode eignet sich besonders für spezielle Objekte wie landwirtschaftliche Anwesen oder Industrieliegenschaften, für die kaum Vergleichsdaten existieren.
| Methode | Genauigkeit | Geschwindigkeit | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Hedonische Bewertung | Hoch bei Standardobjekten | Sekunden bis Minuten | Wohnungen, Einfamilienhäuser |
| Vergleichswertverfahren | Sehr hoch bei vielen Vergleichsobjekten | Tage bis Wochen | Stadtlagen mit aktivem Markt |
| Substanzwertmethode | Mittel (unabhängig vom Markt) | Wochen | Spezialimmobilien, Landwirtschaft |
Die auf realen Marktdaten basierende hedonische Methode wird sowohl von Banken als auch von Versicherungsgesellschaften und dem Staat verwendet.
Warum drei Tools drei verschiedene Preise liefern
Diese Art von Situation ist kein Einzelfall und kann in vielen Fällen auftreten.
Typischer Fall: unterschiedliche Schätzungen
Ein Eigentümer, der sein Haus verkaufen möchte, nutzt mehrere Online-Bewertungstools, um einen ersten Anhaltspunkt für den Wert der Immobilie zu erhalten. Die angezeigten Ergebnisse können dabei erheblich variieren, mit Abweichungen von mehreren hunderttausend Schweizer Franken.
Angesichts dieser Unterschiede wird es schwierig, einen angemessenen Verkaufspreis festzulegen. Eine vor Ort von einem Experten durchgeführte Schätzung ermöglicht es dann, die Analyse zu verfeinern, indem qualitative Faktoren berücksichtigt werden, die von den Algorithmen nicht berücksichtigt werden. Der festgelegte Verkaufspreis liegt in der Regel im Bereich der online erhaltenen Schätzungen und entspricht eher den tatsächlichen Marktbedingungen.
Warum weichen die Ergebnisse so stark ab? Drei Hauptgründe:
- Unterschiedliche Datenquellen: Manche Tools nutzen nur Angebotspreise aus Inseraten. Andere greifen auf tatsächliche Verkaufspreise zu. Angebotspreise liegen systematisch höher – Verkäufer starten optimistisch.
- Verschiedene Gewichtungen: Wie stark beeinflusst die Aussicht den Wert? Wie viel zählt das Baujahr? Jeder Algorithmus setzt andere Prioritäten.
- Aktualität der Daten: Der aktuelle Marktbericht von Wüest Partner zeigt, dass Eigentumswohnungen im dritten Quartal 2025 um rund 4,5 Prozent gestiegen sind. Ein Tool mit veralteten Daten unterschätzt den aktuellen Marktwert.
Wann eine Online-Bewertung nicht ausreicht: Bei Immobilien mit besonderen Merkmalen – wie beispielsweise Seeblick, Denkmalschutz, hohem Renovierungspotenzial oder umgekehrt versteckten Mängeln – liefern Algorithmen oft ungenaue Schätzungen. In diesen Fällen ist eine Vor-Ort-Bewertung durch einen zugelassenen Sachverständigen unerlässlich. Eine professionelle und rechtsverbindliche Bewertung wird auch bei Erbschaften mit mehreren Parteien oder Scheidungen empfohlen.
Betrachten Sie die Abweichungen zwischen den verschiedenen Tools daher nicht als Problem. Sie zeigen Ihnen die realistische Preisspanne, in der sich der Marktwert bewegt. Der tatsächliche Verkaufspreis liegt in der Regel irgendwo zwischen den verschiedenen Schätzungen, vorausgesetzt, Sie haben die richtigen Daten eingegeben.
Ihre Fragen zu Online-Immobilienbewertungen
Wie genau sind kostenlose Online-Bewertungstools?
Laut Nicola Stalder, Chief Data and Analytics Officer bei IAZI, sind kostenlose Online-Bewertungen weniger genau als etablierte Bewertungsverfahren bei der Hypothekarvergabe. Sie zeigen jedoch zuverlässig die Bandbreite des Wertes. Bei Standardobjekten mit vielen Vergleichsdaten – typische Einfamilienhäuser oder Stockwerkeigentum in städtischen Gebieten – können die Ergebnisse erstaunlich präzise sein.
Welche Daten werden bei der Online-Bewertung verwendet?
Die meisten seriösen Tools greifen auf den Swiss Real Estate Datapool zu, der echte Transaktionspreise abbildet. Diese Datenbank enthält über 120’000 Einfamilienhäuser und 160’000 Eigentumswohnungen. Zusätzlich werden öffentliche Daten zu Standortfaktoren wie Steuerfuss, ÖV-Anbindung und Infrastruktur einbezogen.
Warum liefern verschiedene Tools unterschiedliche Ergebnisse?
Drei Faktoren verursachen Abweichungen: unterschiedliche Datenquellen (Angebots- vs. Verkaufspreise), verschiedene Gewichtungen der Bewertungskriterien und unterschiedliche Aktualität der Datenbanken. Diese Unterschiede sind normal und zeigen Ihnen die realistische Preisspanne.
Wann sollte ich einen Experten vor Ort beauftragen?
Eine professionelle Vor-Ort-Bewertung empfiehlt sich bei besonderen Objektmerkmalen (Seesicht, historische Bausubstanz, grosses Grundstück), bei rechtlich verbindlichen Anlässen (Erbschaft, Scheidung, Steueroptimierung) und wenn die Online-Schätzungen stark voneinander abweichen. Auch bei versteckten Mängeln oder umfangreichem Renovationsbedarf liefert nur ein Experte eine realistische Einschätzung.
Werden meine Daten bei der Online-Bewertung gespeichert?
Das hängt vom Anbieter ab. Seriöse Plattformen wie RealAdvisor informieren transparent über die Datenverwendung in ihren Datenschutzbestimmungen. Ihre Kontaktdaten werden typischerweise für den Versand des Bewertungsberichts benötigt. Prüfen Sie vor der Nutzung, ob der Anbieter Schweizer Datenschutzrecht einhält.
Ihr nächster Schritt
Vor Ihrer ersten Online-Bewertung prüfen
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Nettowohnfläche ermitteln (nicht Bruttofläche) – im Grundbuchauszug oder der Gebäudeversicherungspolice
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Baujahr und letzte grössere Renovationen notieren
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Zwei bis drei verschiedene Tools nutzen und Ergebnisse vergleichen
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Bei Abweichungen über 15 Prozent eine Vor-Ort-Expertise einplanen
Eine Online-Bewertung liefert Ihnen in wenigen Minuten eine solide erste Orientierung. Sie ersetzt keine professionelle Schätzung – aber sie gibt Ihnen die Grundlage, um informiert ins Gespräch mit Experten zu gehen. Welche Frage beschäftigt Sie am meisten: der richtige Verkaufszeitpunkt, die Wahl des Maklers oder die Verhandlungsstrategie mit Interessenten?
Grenzen der Online-Bewertung
- Online-Schätzungen ersetzen keine professionelle Vor-Ort-Bewertung durch einen zertifizierten Schätzungsexperten
- Qualitative Faktoren wie Aussicht, Lärmbelastung oder Renovationspotenzial können von Algorithmen nicht vollständig erfasst werden
- Regionale Marktbesonderheiten und aktuelle Preisentwicklungen können zu Abweichungen führen